Unsere nächste Veranstaltung – Lesung & Gespräch
Der Tukan-Kreis empfiehlt:
Peter Waterhouse
Z Ypsilon X
Niemand in der Familie sprach gern über den Großvater, der als Hauptschriftleiter eine zentrale Rolle in der österreichischen NS-Propaganda gespielt hatte und 1944 an der Ostfront gefallen war. Und niemand beachtete die Bücher, die dieser als passionierter Leser gesammelt hatte, Bücher von Karl Kraus, Peter Altenberg und vielen anderen, die in den Regalen der Nachkommen zusehends verstaubten. Hundert Jahre nach dem Tod des Großvaters beginnt der Enkel (selbst Autor) in ihnen zu lesen und lässt eine ungeahnte Gegenwelt entstehen: eine Welt des Zögerns und Fragens, konturiert durch Anstreichungen und Randnotizen, Widmungen und Lesezeichen, in der das Wort nicht dem kriegstreibenden „Voran“ und der Gewalt gewidmet wird, sondern all dem Unterbrochenen, Leisen, Möglichen, das scheinbar noch die Vergangenheit zu verändern weiß.
Mit „Z Ypsilon X“ legt Peter Waterhouse ein Opus magnum in drei Teilbänden vor. Es entzieht sich jeder Gattungsbeschreibung und erfindet – sich rückwärts durch die eigene Familiengeschichte bewegend – die Wirklichkeit und Welt radikal neu. Entstanden ist ein Manifest gegen das mächtige Ich, gegen den Betrachter und das Betrachten, für die Offenheit und das Widersprüchliche. Ein Werk über Sprache(n) und das Zur-Sprache-Bringen, über Stille und Literatur.
Peter Waterhouse, 1956 in Berlin geboren, lebt als Schriftsteller und Übersetzer in Wien. Nach dem Studium der Germanistik und Anglistik promovierte Waterhouse 1984 mit einer Arbeit über Paul Celan. Als Autor verfasst er Gedichte, Essays, Prosa sowie Theaterstücke und ist zudem als Übersetzer aus dem Englischen und Italienischen tätig. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter den Großen Österreichischen Staatspreis 2012. „Z Ypsilon X“ ist bei Matthes & Seitz Berlin erschienen.
Moderation: Eberhard Falcke
4. Februar 2026,
19.30 Uhr
Eintritt: 9 € | ermäßigt 7 € | Jahreskarte 40 €
Nikolaiplatz 1b
80802 München
Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München. Mit Unterstützung von Bayern liest e.V. und der Hans Dieter Beck Stiftung.
