Tukan-Preis 2025

Verleihung des Buchpreises der Stadt München für Münchner Autorinnen und Autoren an

Pierre Jarawan | Frau im Mond

Die Begründung der Jury:

In Pierre Jarawans Roman „Frau im Mond“ gibt es einen Schlüsselmoment, dem das Buch auch seinen Titel verdankt. Maroun el Shami, zehn Jahre alt, Immigrant aus dem Libanon, die Mutter vor Kurzem gestorben, sitzt 1931 in einem Kinosaal in Montreal. Die Hände zu Fäusten geballt, starrt der Junge wie hypnotisiert auf die Leinwand. Dort läuft Fritz Langs letzter Stummfilm „Frau im Mond“, ein frühes Science-Fiction-Epos, das an Raketen-Technik vieles vorwegnahm, was später im Apollo-Programm der NASA Realität werden sollte. Und auch der kleine Maroun kommt zu der Erkenntnis, dass jede noch so abwegige Idee Tatsache werden kann, wenn man nur beharrlich an sie glaubt. 35 Jahre später wird er eine Rakete ins All schießen. Vom Libanon aus. (…)
Da wagt also ein Vertreter der jungen Gegenwartsliteratur die Langstrecke, vertraut ganz nonchalant auf die alte Magie des Erzählens (…) „Frau im Mond“ ist bildintensiv erzählt, in warmem, leichtem Ton, denn Jarawan liebt seine Figuren. Und doch ist dieses Buch kein kulinarischer Pageturner, durch den man sich mühelos hindurchsuchten könnte. Zu schwer sind die Themen: Menschen, die Flucht und Vertreibung erfahren, zwischen den Kulturen um Identität ringen. Der Genozid an den Armeniern zu Anfang des 20. Jahrhunderts kommt ebenso vor wie die Weltwirtschaftskrise, der Zweite Weltkrieg oder die aktuelle, desaströse Situation im Libanon. Das Buch steuert auf Beiruts ultimative Katastrophe zu, die verheerende Explosion im Hafen 2020. In 50 Kapiteln zählt Pierre Jarawan bis zu diesem Moment herunter, auch das eine Hommage an Fritz Lang, der in seinem Film „Frau im Mond“ einst den Countdown erfand.

Die Jury

Der Jury unter der Leitung von Kulturreferent Marek Wiechers gehörten an: Agnes Brunner (Verlag C.H.Beck), Jutta Czeguhn (Süddeutsche Zeitung), Dr. Klaus Hübner (Literatur in Bayern, Münchner Feuilleton), Dr. Johannes John (Bayerische Akademie der Wissenschaften), Franz Xaver Karl (Bayerischer Rundfunk), Pamela Scholz (Glockenbachbuchhandlung) sowie aus dem Stadtrat Andreas Babor, Beatrix Burkhardt, Mo Lovis Lüttig, Thomas Niederbühl und Marian Offman

Pierre Jarawan wurde 1985 in Amman, Jordanien, als Sohn eines libanesischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren. Er kam im Alter von drei Jahren nach Deutschland und wuchs in Kirchheim unter Teck auf. Er studierte an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film. Seine Romane „Am Ende bleiben die Zedern“ (2016) und „Ein Lied für die Vermissten“ (2020) wurden mit Preisen bedacht und in zahlreiche Sprachen übersetzt. „Frau im Mond“ ist ebenso wie die vorangehenden Romane im Berlin Verlag erschienen.

Datum & Uhrzeit:

Dienstag, den 2. Dezember 2025 um 19:00 Uhr

Veranstaltungsort:

Literaturhaus | Salvatorplatz 1 | 80333 München
Routenplaner

Programm

Begrüßung durch den Stadtrat Sebastian Weisenburger

Überreichung der Urkunde: Kulturreferent Marek Wiechers

Grußworte: Helga Beck – Leiterin des Tukan-Kreises

Laudatio: Fee Brembeck

Lesung des Preisträgers: Pierre Jarawan

Musik:
Rabih Lahoud (Gesang) & Matthias Kurth (Gitarre & Oud)

Im Anschluss an die Preisverleihung laden die Landeshauptstadt München/Kulturreferat und der Tukan-Kreis zu einem Empfang ein.
Die Preisverleihung ist nicht öffentlich. (Die Veranstaltung ist leider schon ausgebucht.)

Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München. Mit Unterstützung von Bayern liest e.V. und der Hans Dieter Beck Stiftung.

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